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Liebes Kind

Veröffentlicht in Schöne Literatur, am Montag, 07 Oktober 2019

Von Romy Hausmann

Dieser Thriller beginnt, wo andere enden

Eine fensterlose Hütte im Wald. Lenas Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, Lernzeiten werden minutiös eingehalten. Sauerstoff bekommen sie über einen »Zirkulationsapparat«. Der Vater versorgt seine Familie mit Lebensmitteln, er beschützt sie vor den Gefahren der Welt da draußen, er kümmert sich darum, dass seine Kinder immer eine Mutter haben. Doch eines Tages gelingt ihnen die Flucht – und nun geht der Albtraum erst richtig los. Denn vieles deutet darauf hin, dass der Entführer sich zurückholen will, was ihm gehört.

dtv premium, 432 Seiten,

ISBN 978-3-423-26229-3

Leseempfehlung von Kristin Draeger, Büchereiteam:

Im Buchdeckel heißt es: „Er macht den Tag und die Nacht. Am ersten Tag verliere ich mein Zeitgefühl, meine Würde und einen Backenzahn. Dafür habe ich jetzt zwei Kinder und eine Katze. Einen Mann habe ich auch. Er ist groß, hat kurzes, dunkles Haar und graue Augen. Unsere Fenster hat er mit Dämmplatten verschraubt. Er macht den Tag. Und die Nacht. Wie Gott.

 

Viele Leser mögen jetzt denken: „Das habe ich doch alles schon mal gelesen“ – nicht zuletzt im Roman „So dunkel der Wald“ von Michaela Kastel. Doch das ist das Schöne an diesem Thriller! Romy Hausmann versteht es, diese Erwartung völlig umzukehren, stattdessen den Leser auf falsche Fährten zu führen, deren Auflösung immer wieder für Verblüffung sorgen. Besonders ist auch, dass das Buch dort beginnt, wo andere enden, nämlich mit der Flucht des Entführungsopfers Lena und der Kinder aus einer Hütte im Wald. Romy Hausmann gelingt es dabei, die Erzählperspektiven auf schockierende und zugleich emotionale Weise zu wechseln. Zum einen die verängstigte und labile Lena, zum anderen die kindliche Sicht der in ihrer Entwicklung zurückgebliebenen Hannah, die die Welt aus einer so eigenen Sichtweise beschreibt und nicht zuletzt dem Vater Matthias, dem man nach den langen Jahren der Ungewissheit jeden Fehltritt verzeihen möchte. Während Lenas Leben während ihrer Entführung zwanghaft geregelt war (Mahlzeiten, Toilettengänge und Lernzeiten waren minutengenau vorgegeben) versucht sie sich nun wieder schrittweise in der Freiheit zurecht zu finden. Doch der Albtraum scheint mit der Flucht noch nicht zu Ende…


 

 

Die Wand

Veröffentlicht in Schöne Literatur, am Sonntag, 29 September 2019

Von Marlen Haushofer

Eine Frau will mit ihrer Kusine und deren Mann ein paar Tage in einem Jagdhaus in den Bergen verbringen. Nach der Ankunft unternimmt das Paar noch einen Gang ins nächste Dorf und kehrt nicht mehr zurück. Am nächsten Morgen stößt die Frau auf eine unüberwindbare Wand, hinter der Totenstarre herrscht. Abgeschlossen von der übrigen Welt, richtet sie sich inmitten ihres engumgrenzten Stücks Natur und umgeben von einigen zugelaufenen Tieren aufs Überleben ein.

Claasen Verlag

275 Seiten

 

 

Leseempfehlung einer Büchereimitarbeiterin:

Dies ist ein Buch das ich seit vielen Jahren immer wieder gerne lese.

Was die Frau innerhalb ihrer Wand erlebt und mit welchen Unwegsamkeiten sie sich abplagen muss. Es ist eine Geschichte, die unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Spannend, traurig, verstörend und irgendwie nicht greifbar, weil viele Fragen unbeantwortet bleiben.

 

Befreit

Veröffentlicht in Biografien, Sachbücher, am Sonntag, 29 September 2019

Von Tara Westover

Von den Bergen Idahos nach Cambridge – der unwahrscheinliche »Bildungsweg« der Tara Westover, eine wahre und universelle Geschichte.

Tara Westover ist 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal eine Schulklasse betritt. Zehn Jahre später kann sie eine beeindruckende akademische Laufbahn vorweisen. Aufgewachsen im ländlichen Amerika, befreit sie sich aus einer ärmlichen, archaischen und von Paranoia und Gewalt geprägten Welt durch – Bildung, durch die Aneignung von Wissen, das ihr so lange vorenthalten worden war.

Wie Tara Westover sich aus dieser Welt befreit, überhaupt erst einmal ein Bewusstsein von sich selbst entwickelt, um den schmerzhaften Abnabelungsprozess von ihrer Familie bewältigen zu können, das be- schreibt sie in diesem ergreifenden und wunderbar poetischen Buch.

ISBN-13: 978-3462050127

Verlag: Kiepenheuer&Witsch

448 Seiten

Leseempfehlung von Susanne Bühler, Büchereiteam:

In ihrem Buch "Befreit" schildert Tara Westover ihre außergewöhnliche mormonische Jugend, voller Freuden, Schmerzen, Fanatismus, Gewalt und Kampfgeist in Idaho.

Ich musste mich beim Lesen immer wieder erinnern, dass ich gerade nicht einen Roman über das 18. Jahrhundert, sondern eine neuzeitliche Biographie las - die Autorin ist 1986 geboren. Das Buch hat mich gefesselt, entsetzt , fasziniert und immer wieder überrascht. Sehr spannend und eine wirklich beeindruckende Lebensgeschichte.

 

Genauso lesenswert:

Hillbilly-Elegie: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise

von J. D. Vance

Ein geschenkter Anfang

Veröffentlicht in Schöne Literatur, am Mittwoch, 01 Mai 2019

Von Lorraine Fouchet

»Wer auf meiner Beerdigung weint, mit dem rede ich kein Wort mehr«, hat Lou oft gewitzelt. Lou, die auf der kleinen bretonischen Insel ein echter Paradiesvogel war und von allen geliebt wurde. Lou mit ihren Spleens – Champagner, bitte, aber nur von Mercier! – und Macken – sie kochte miserabel, aber mit Liebe –, einem Lachen, das lauter war als das Kreischen der Möwen, und einem Herzen so weit wie das Meer. Nun ist Lou tot – und die Familie droht auseinanderzubrechen. Im Testament bittet sie ihren Mann Jo, ihr einen letzten Wunsch zu erfüllen: Er soll das zerrüttete Verhältnis zu ihren erwachsenen Kindern Cyrian und Sarah wieder kitten und beide glücklich machen. Erst dann darf er Lous letzten Brief lesen – der versiegelt, natürlich in einer Champagnerflasche, auf ihn wartet. Eine Flaschenpost, die das Leben einer ganzen Familie verändert.

ISBN: 978-3-455-60056-8
Verlag:Atlantik
368 Seiten
 

Leseemfehlung einer Büchereimitarbeiterin:

Sehr gute Sommerlektüre mit überraschendem Tiefsinn. Am Anfang ist man irritiert über das Testament, das Lou ihren Lieben hinterlässt. Die Geschichte ist sehr liebevoll aufgebaut und der Schreibstil ist sehr ansprechend. Wie sich dann alles entfaltet, ist höchst amüsant, bewegend, traurig, aber auch schön. Weder banal noch kitschig.

Bernie allein unterwegs

Veröffentlicht in Kinderbücher, am Mittwoch, 01 Mai 2019

Von Sabine Thiesler

Die Unglaublichen Abenteuer eines kleinen Bernhardiners

»Der Hund muss weg!« Als der kleine Bernie die Worte seines Züchterfrauchens hört, versteht er die Welt nicht mehr. Er ist doch wie alle anderen Bernhardiner seiner Familie wunderschön und groß und stark! Nur weil ihm die schwarze Maske im pelzigen Gesicht fehlt, will ihn keiner haben? Bernie fasst einen tollkühnen Plan: Ganz allein macht er sich auf den Weg, um einen Platz und eine Aufgabe im Leben zu finden. Für den kleinen Hund beginnt das Abenteuer seines Lebens ...

Ab 8 Jahren

ISBN: 978-3-641-06317-7, Verlag: Heyne fliegt

Bilder von Doris Eisenburger

 

Außerdem verfügbar:

Band 2 - Bernie allein unterwegs - Geheimnis im Moor

 

Leseempfehlung von Susanne Bühler, Büchereiteam:

Ein nettes Kinderbuch - liebevoll illustriert und spannend geschrieben. Durch die kurzen Kapitel eignet es sich sowohl zum Vorlesen, als auch zum Selberlesen für fortgeschrittene Erstleser.

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